Das Leben mit Zwillingen – Die Anderen

Wie anstrengend das Leben mit Zwillingen ist, habe ich hier beschrieben. Nun starten wir mit einem neuen Kapitel, dem wirklich anstrengenden:

Die Anderen!

Die Anderen waren ja schon bei Lost so lästig wie Schmeissfliegen. An die natürlich gut gemeinten, aber dennoch stets ungefragten Ratschläge gewöhnt man sich ja recht schnell und das ergeht wohl jeder Mutter so.

Unterwegs mit Zwillingen wird man fast immer angeschaut. Manche schauen nett und lächeln oder gucken ganz ungläubig. Viele wollen mal gucken und dann, ich kann mich drauf verlassen, kommt: “Junge und Mädchen, nä?!”. Ich nicke und halte die Luft an, denn kommt fast immer: “Eineeiig oder zweieiig”?. Ich presse zwischen schmalen Lippen “zweieiig” hervor. Habe mir jetzt allerdings fest vorgenommen, beim nächsten Mal zu behaupten, dass sie eineiig sind.

Als ich noch versuchte zu stillen, trafen wir ein älteres Paar, das auch mal gucken wollte… der alte Herr fragte, ob ich denn auch genügend Milch hätte? Und das in einem recht lauten Ton. Ich musste grinsen, weil er ehrlich besorgt erschien – in jedem anderen Fall hätte ich mich wohl erkundigt, ob er etwas von der Milch abhaben wolle.

Wir werden auch immer wieder gefragt, ob die Babys denn natürlich entstanden sind. Ich weiß gar nicht, warum ich nicht einfach antworte: Ja, sind sie, wir hatten ganz großartigen Sex! Ich meine, ich habe doch nicht mit der indiskreten Fragerei angefangen.

Wichtig ist auch mit interessierten Menschen keinen Blickkontakt aufzunehmen und sie so nicht zur Kontaktaufnahme zu ermutigen: Wir saßen in einem Cafe, genossen die Ruhe und dann passierte es: die Blicke der Dame am Nachbartisch und meine trafen sich! Natürlich versuchte ich das zu vermeiden, denn sie schaute schon die ganze Zeit zu uns herüber. Und dann ging es los: ein Fragenkatalog wurde abgearbeitet und dann die eigene Lebensgeschichte erzählt. Besonders spannend fand ich, wo das Paar mit seinem Bären-Ticket schon alles war… sogar in Hattingen! Sie schienen mit dem Senioren-Ticket schon um die Welt gereist zu sein und nur darauf gewartet zu haben, von ihren Erlebnissen zu erzählen. Wir hatten die A-Karte, denn wir waren höflich (ok, ich schaute zeitweise demonstrativ auf mein Handy, brachte aber nix) und somit war ein sonniger, dank friedlich schlafender Babys entspannt zweisamer Nachmittag im Cafe dahin! Ihr seht, oft sind die Anderen anstrengend.

Als die Babys ein paar Tage zuhause waren, liefen wir ins Städtchen. Eine ältere Dame kam auf uns zu, fragte, ob sie schauen dürfte (ja, es gibt sie: die wirklich höflichen Menschen!). Sie fragte, ob die beiden zu früh gekommen seien, und wir bejahten. Sie wünschte uns ganz viel Gesundheit und alles Liebe. Ich war ganz verwundert über so viel Herzlichkeit. Dann sagte sie, sie hätte auch Zwillinge gehabt, vor 48 Jahren. Sie seien zu früh gekommen und der eine ist einen Tag später verstorben. Ich bekam richtig Gänsehaut. Sie verabschiedete sich schnell und ich konnte sehen, wie sie sich Tränen weg wischte. Diese Begegnung beschäftigte mich sehr lange. Auch jetzt denke ich noch traurig daran zurück und es versetzt mir einen Stich ins Herz.

Das gehört leider auch hinzu: man bekommt sehr traurige Geschichten zu hören. Sowas passiert sicher auch Eltern von Einzelkindern, aber wenn man sich so umhört, gibt es wohl leider tendenziell mehr Mehrlingsgeschichten, die nicht so glücklich verliefen. Das macht mich unendlich betroffen, aber führt uns eben auch vor Augen, was für ein Glück wir haben.

Und dann sind die manchmal lästigen Fragen und bohrenden Blicke doch wirklich null und nichtig.

5 Comments on Das Leben mit Zwillingen – Die Anderen

  1. Kat
    5. Januar 2014 at 19:24 (1385 Tagen ago)

    ‘HAhaha! Uns gehts genauso! Soll ich das mal aufschreiben?
    Der ultimative Knaller war bisher detailiertestes Ausfragen zur Geburt und wies denn so war. XD
    Abgesehen von der “darf ich mal anfassen?” und dem üblichen Quatschkram

  2. OktoberKind
    7. Januar 2014 at 21:12 (1383 Tagen ago)

    Also echt, ich bin sehr überrascht, wie dreist manche Leute sind! Ich quatsche doch nicht wildfremde Leute an, nur weil die nen Zwillingswagen schieben (oder auch nen einzelnen, is wurscht)! Ihr fahrt doch keine Zootiere spazieren…

    Aber wie immer toll geschrieben und auch berührend für Kinderlose! :-)

    LG, OktoberKind

  3. Sven
    8. Januar 2014 at 16:18 (1382 Tagen ago)

    das kommt mir bekannt vor. Um den allgemeinen Fragen – “Sind das Zwillinge?” auszuweichen, habe ich T-Shirts gemacht, auf denen steht “jaaaaaa, es sind Zwillinge”. Hilft nur bedingt ;-) Auf Durchzug schalten klappte dann besser.

  4. Alltagsheldin
    12. Januar 2014 at 20:19 (1378 Tagen ago)

    Ich musste einige Male schmunzeln oder “wissend” nicken. Ja, das kenne ich auch als Einlingmama, bei Zwillingen ist das ganz bestimmt noch viel anstrengender.
    Wobei ich den Menschen irgendwann wirklich verbot, das Baby anzugrapschen. Pfft!

    Aber ich staunte auch, wie dreist manche Menschen sind. Poah! Sowas hätte ich mich nie getraut und sowas indiskretes und freches geht einfach nicht!

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  5. Tanja
    12. Januar 2014 at 20:48 (1378 Tagen ago)

    Ich hab zwar keine Zwillinge, aber ich kenn das auch.
    Ich fand es in der Schwangerschaft schon grausig wenn wildfremde Menschen auf mich zu kamen und meinen Bauch angefasst haben brrr.

    Am besten ist der spruch:
    Ganz schön mopsig die kleine. Hat sie wohl von ihnen geerbt.

    Das hört man doch sehr gerne