Mein drittes Baby

Nein, keine Angst, ich bin weder schwanger noch planen wir Nachwuchs. Mein drittes Baby ist die Perlerei-Liebevoll und heute möchte ich euch etwas darüber erzählen.

Es fing etwa 2005 an. Ich weiß noch, wie ich mit meiner Mama im Bastelladen stand und sie zu mir meinte, ich solle mir doch mal ein schönes Hobby suchen. Mamas eben. Ich schaute mir also die Perlen an, die Bücher, unterhielt mich mit den Ladenbesitzern und lies mich beraten. Ich kaufte Draht, Perlen und ein Buch. Zuhause fuchste ich mich etwas rein und so nahm das ganze seinen Lauf.

Zunächst kreierte ich diesen typischen gewebten Schmuck aus kleinen Swarovski-Kristallen, ihr wisst sicher was ich meine. Eigentlich gar nicht mein Geschmack, aber das Ausprobieren neuer Ideen und das Entstehen kleiner Schmuckstücke faszinierte mich. So wurde das ganze eben ein nettes Hobby.

2008 lernte ich meinen Mann kennen. Ich bastelte immer noch, damals war der Schmuck dann schon viel eher nach meinem Geschmack. Ich probierte ständig Neues aus und experimentierte mit verschiedensten Materialien. Mein Mann fand die Plattform DaWanda und versuchte mich zu motivieren, mich dort anzumelden. Ich blieb jedoch verhalten und war überzeugt, dass dort niemand meinen Schmuck haben wollen würde. Auch scheute ich mich vor der ganzen weiteren Arbeit wie Bilder bearbeiten, der ganze rechtliche Kram und überhaupt.

Im Spätsommer 2009 meldete ich mich doch bei DaWanda an, schaute mich aber zunächst nur um. Es dauerte noch ein paar Wochen, bis ich selbst die ersten Artikel einstellte. Ich verkaufte wider Erwarten recht schnell das erste Produkt. Ich weiß noch, dass es Matroschka-Püppchen-Ohrringe aus schwarzem Holz waren. Ich verkaufte weitere Produkte, bekam immer mehr Shop-Abonnenten und positives Feedback.

Die Idee, das ganze hauptberuflich zu machen faszinierte mich immer mehr. Ich hatte großes Glück, dass mein Mann mich dabei stets unterstützte, denn anders hätte das ganze niemals funktioniert. Ich lernte stetig dazu und hing mich richtig rein. Der Erfolg lies nicht auf sich warten, meine Produkte erschienen in Zeitschriften, ich nahm an Design-Wettbewerben teil und schafft es sogar auf den ersten Platz der am besten verkaufenden Shops auf DaWanda.

Ich war gepusht und liebte meine Arbeit so sehr. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass Arbeit so viel Spass machen kann. Ich arbeitete jeden Tag. Jedes Wochenende, jeden Feiertag, selbst im Urlaub beantwortete ich zumindest Mails von Kunden. Zum DaWanda-Shop kam ein Ebay-Shop und dann ein Etsy-Shop, zusätzlich belieferte ich kleine Läden. Ich arbeitete im Weihnachtsgeschäft an die 17 Stunden täglich. Abends musste ich meine Hände eincremen und bandagieren. Mein Handrücken war blau und ich wunderte mich darüber, bis mir irgendwann auffiel, dass ich beim Einwerfen der Briefe mit dem Handrücken immer gegen den Briefkasten stieß. Es war teilweise extrem anstrengend und dennoch hätte ich niemals tauschen wollen. Mein Mann ist zum Glück ebenfalls selbständig. Ohne das Verständnis dafür, dass Selbständigkeit eben “selbst” und manchmal auch “ständig” bedeutet, hätte das nur schwer funktioniert.

Im Dezember 2012, ich hatte gerade das Weihnachtsgeschäft beendet und meinen Shop für die Weihnachtspause geschlossen, machte ich einen Schwangerschaftstest, der negativ ausfiel. Ich beschloss, mich weiter auf die Perlerei zu konzentrieren, plante einen weiteren Shop, kontaktierte Grafikdesigner für ein komplett neues Design und sprudelte nur so vor Ideen. Ein paar Tage später folgte dann der nächste Schwangerschaftstest, diesmal zum Glück positiv! Als dann im Januar klar war, dass wir gleich doppelten Nachwuchs erwarteten, beschloss ich, mich erst mal komplett auf die Kinder zu konzentrieren und ganz Mutter zu sein.

Vor ein paar Wochen fing es dann an, dass ich meine Arbeit immer mehr vermisste. Ich erwischte mich, wie ich in mein Atelier ging und den Schmuck betrachtete, der dort immer noch hing; wie ich all die Materialien bestaunte; wie ich nachts neue Ideen entwickelte. Die Sehnsucht wurde größer und so beschloss ich, die Perlerei im Februar 2014 wiederzueröffnen.

Nach inzwischen über zwei Monaten kann ich sagen, dass wir für uns die optimale Lösung gefunden haben, um Kinder und Arbeit zu vereinen: an aktuell vier Nachmittagen in der Woche werden Lena und Paul von einer super lieben Nanny hier bei uns im Haus betreut, während ich zwei Etagen höher in meinem Atelier arbeite. Ich kann unsere Kinder hören und bin jederzeit zur Stelle. Alles andere wäre für mich nicht infrage gekommen.

Übrigens habe ich die Perlerei am 30.08.2008 bei DaWanda angemeldet. Der errechnete Geburtstermin der Kinder war am 30.08.2013. Meine Babies eben.

1 Comment on Mein drittes Baby

  1. Herzmutter
    4. Mai 2014 at 09:03 (1267 Tagen ago)

    Wow, danke für den tollen Bericht! Ich finde es immer super spannend von solchen Mompreneur Geschichten zu hören; du musst wirklich großes Talent und ein Wahnsinns Durchhaltevermögen haben! Bewundernswert! Ich hab mir deinen Shop vor ein paar Wochen auch schonmal angeschaut, wirklich wundervolle Sachen die du kreierst. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg in dem was du tust :) Vielleicht hast du in ein paar Jahren ja Leute, die die Bastelarbeit für dich übernehmen ^^ Liebe Grüße, Janina