Herzlichen Glückwunsch zum Nicht-Geburtstag!

Es gibt Tage im Leben, die vergisst man nie. Der 10. Juni 2013 ist für mich solch ein Tag.

Bereits einen Tag zuvor wurden wir bei 28+2 stationär ins Krankenhaus aufgenommen. Ich hatte heftige Wehen, der Gebärmutterhals war stark verkürzt und der Muttermund durchlässig. Ich durfte nicht mehr aufstehen, bekam die Spritze zur Lungenreifung der Babys und hing an der Tokolyse.

Am Abend des 10. Junis ging es mir seltsam, ich hatte Schmerzen und irgendetwas war komisch… Ich sagte der Schwester Bescheid und eine Hebamme kam direkt, um das CTG anzulegen. Trotz der Wehenhemmer hatte ich starke Wehen. Als wäre dies nicht schon alles schlimm genug fragte mich die Hebamme, ob ich wüsste, dass das Herz meines Sohnes Extraschläge produzierte. Davon wusste ich nichts und bei jeder vorherigen Untersuchung war dies auch nie aufgefallen. Und das, wo ich parallel zu den Frauenarztterminen von einer Pränataldiagnostikerin in der Schwangerschaft begleitet wurde. Die Sorge und die Angst um meine ungeborenen Kinder war für mich so groß, dass bis heute auch niemand ausser meiner Familie davon wusste.

Mit den Worten “Sie verbringen die Nacht lieber im Kreißsaal” schob mich die Schwester in den selbigen. Wieder hing ich ewig am CTG. Eine weitere Hebamme kam und meinte, den Babys würde es wohl zu eng werden, es sei ok wenn sie jetzt kommen würden, man könne nichts machen, ich bekäme schon die Höchstdosis an Wehenhemmern.

Für mich war gar nichts ok! Die beiden wogen gerade mal knapp ein Kilo und ich machte mir ganz schreckliche Sorgen. Dazu noch die Extraschläge, die Paulchens kleines Herz plötzlich produzierte! Ich hatte zwei Tgge zuvor geheiratet und war fit wie ein Turnschuh – ich verstand die Welt nicht mehr.

Der Oberarzt kam und untersuchte Pauls Herz und machte ewig Ultraschall. Ich musste flach auf dem Rücken liegen und die Beine vom Tisch abgeknickt herunter hängen lassen. Jede die schon mal schwanger war kann sich vorstellen, wie schmerzhaft diese Position ist. Während der ganzen Zeit liefen mir die Tränen. Ich wollte nicht, dass sie so früh geboren werden!

Die Diagnose des Arztes war für mich wenig beruhigend, wenn auch harmlos. Die Extraschläge waren seiner Meinung nach auf die unreife des Herzens zurück zu führen. In Anbetracht dessen, dass meine Babys anscheinend gleich zur Welt kommen würden, beruhigte mich dies nicht. Es wurden weitere Tests gemacht und irgendwie wurden die Wehen schwächer – etwas, mit dem wohl keiner mehr gerechnet hatte.

Mitten in der Nacht bezog ich wieder mein Zimmer. Die Diagnose der Ärzte stand jedoch: die Babys würden jeden Moment kommen. Ich beschloss, sie noch nicht auf diese Welt kommen zu lassen. Ich glaube, dass der Wille sehr viel steuern kann und mein großes Ziel war bis zu 34+0 zu kommen. Fast haben wir dieses Ziel mit 33+4 erreicht! Die Extraschläge verschwanden zum Glück schnell und so kamen fünf Wochen später zwei kleine und gesunde Babys auf die Welt, die nur ein wenig Unterstützung brauchten.

Liebe Lena, lieber Paul: Herzlichen Glückwunsch zum Nicht-Geburtstag!

Danke, dass ihr es noch so lange in meinem Bauch ausgehalten habt.

Ich liebe Euch,
Eure Mama.

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